Freitag, 26. August 2011

Geschichten aus dem Norden


Nach einer abentuerlichen Anfahrt die ich noch ausführlicher erzählen und hierhin verlinken werde sind wir Dienstagnacht in Maroua angekommen. Nach einem Ausflug in den Wasa Nationalpark und eindrucksvollen Giraffensichtungen brechen wir nun auf nach Rhumsiki.

Rhumsiki
Wir fahren mit dem Bus nach Mokolo. Said bringt uns zur „Agence“, dem Busunternehmen. Er besorgt uns auch eine Mitfahrgelegenheit im Auto von Mokolo weiter nach Rhumsiki – keine einfache Sache, denn die Straße ist so schlecht, dass Autos sie meiden, Motorräder sind das Transportmittel der ersten Wahl. Zum Warentransport machen sich aber doch einige Autos auf den beschwerlichen Weg. Wie wir bald merken kriecht man mit 10 km/h im besseren Schritttempo über die Piste, denn den Schlaglöchern auszuweichen ist bei der Anzahl sinnlos, also fährt man langsam hindurch. Über drei Stunden dauert die Fahrt für die knapp 50 Kilometer von Mokolo nach Rhumsiki. Genug Zeit für uns sich mithilfe der anderen Mitfahrer ein paar Brocken Fulfulde anzueignen – der örtlichen Stammessprache. Als wir im letzten Licht in Rhumsiki ankommen erwartet uns bereits Charles unser Guide. Er bringt uns zum Hotel und gibt uns ein wenig Zeit uns von der Anreise zu erholen, denn wir haben wieder einmal den ganzen Tag gebraucht um hier hinzukommen. Wir nehmen uns vor auf dem Rückweg die Mototaxi Alternative auszuprobieren – die brauchen weniger als halb so lange. Nach kurzer Verschnaufpause besprechen wir mit Charles die Tour für die nächsten drei Tage. Uns sagen die Ortsnamen nichts, aber Charles wird’s schon wissen. Als wir hören, dass er 24 km am ersten Tag anpeilt müssen wir Ihn aber doch etwas bremsen und bitten um eine Route mit Abkürzung – kein Problem.
Am nächstem morgen geht’s nach dem Frühstück um 7:30 Uhr los. Überzeugt davon nur das nötigste eingepackt zu haben stehen wir mit gut gefüllten Treckingrucksäcken vor Charles, der einen kleinen selbstgenähten Tagesrucksack schultert. Die Sachen die wir nicht brauchen wollen wir in einer kleinen Tasche an der Rezeption des Hotels hinterlegen. Charles denkt wir lassen das große Gepäck da und nehmen das kleine mit und macht große Augen, als wir es ihm erklären. Charles Bruder bringt den Proviant fürs Abendbrot und ein paar Wasserflaschen auf kürzerem Weg zur ersten Herberge – er nimmt kurzerhand auch einen unserer Rucksäcke. Der Weg beginnt im Dorf und wir steigen hinab in ein schönes Tal. Die Landschaft ist wirklich traumhaft und anstatt viele Worte zu verlieren lassen wir hier lieber Bilder sprechen …

Es geht los in Rhumsiki. Im Vordergrund ein typischer Hof mit den hier üblichen Rundhütten mit spitzem Schilfdach. Im Hintergrund einer der Basaltfelsen - stehengebliebene Schlote ehemaliger Vulkane.

Ein Teil der Skyline von Rhumsiki.

Daniela verteilt "Cadeaux" in Form von Bonbons. Das gehört hier zum guten Ton, denn Touristen sind immer reicher als die Landbevölkerung uns sollen ruhig mal was abgeben.


Wieder die kleinen Hütten, diesmal im Tal

Ein ansässiger Künstler, ein Schnitzer. Daneben Daniela mit Ihrer Beute - alles Schnäppchen versteht sich.

Eine wirklich schöne Wanderung. Nicht nur die Landschaft, auch die Flora überzeugt.

... die Fauna auch in Form von kreisenden Adlern vor dem Felsen von Rhumsiki.


Gegen Mittag fängt es an zu regnen. Der Regen hatte sich schon zuvor angekündigt und ein Bauer, der sich auf den Heimweg macht um sich vor dem Unwetter in Sicherheit zu bringen läd uns zu sich nach Hause ein. Wir landen in der kleinen Eingangshütte, dem „Salon“. Hier brennt das Feuer und man trifft sich dort nach getaner Arbeit. Wir starten die Konversation mit unseren paar Brocken Fulfulde und brechen das Eis. Die Kinder starren uns mit großen Augen an, die kleinsten haben Angst vor uns „Nassara“, den Weißen. Ein paar Bonbons helfen aber über die anfänglichen Brührungsänste hinweg. Man reicht uns „Vin Blanc“ – mit Weißwein hat das allerdings wenig zu tun. Es ist ein heißes Gebräu aus vergorener Hirse – schmecken tut es allerdings mit etwas Phantasie ein wenig wie Wein. Man  erklärt uns die komplizierte Herstellungsweise, aber außer, dass er mehrerer Arbeitsschritte bedarf und fünf Tage dauert, verstehe ich wenig, denn alle reden durcheinander, bei diesem Thema, dass scheinbar allen am Herzen liegt. Wir erklären, was wir in Kamerun machen und erzählen von Ascovime. Danielas ärztlicher Rat wird für ein paar Malässen der Familie konsultiert. Einige Medikamente werden hervorgeholt und Daniela erklärt die Inhaltsstoffe und Wirkweise, sowie die Anwendung. Es regnet geschlagene zwei Stunden. Als es aufhört werden wir herzlich verabschiedet und setzen unseren Marsch fort. Hier ein paar Bilder vom Nachmittag …

Daniela ud ich im Salon des Bauer, der uns Unterschlupf vor dem Regen gewährt hat. Die Hüte durften wir auch anprobieren.

Die andere Seite des der Salon-Hütte: Der Bauer mit seiner Familie.

Daniela durchwatet den Fluss. Kein alltäglicher Anblick, denn die zwei Motofahrer

hier wollten Daniela mal richtig beeindrucken und schneidig durch die Fluten preschen, verlieren dabei aber den Sack und landen mit dem Moped im Wasser. Der Stimmung tut das scheinbar keinen Abbruch.




Am Abend erreichen wir Rufta. Dort ist heute Markttag. Charles kennt hier jeden und wir müssen viele Hände schütteln. Jeder, der ein paar Worte Deutsch in der Schule gelernt hat, begrüßt uns mit „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ und wir antworten mit „Djam, Ko Dome“, was soviel heißt wie sehr gut. Viele Alte und Kinder fragen nach „cadeaux“, einem Geschenk in Form von Bonbons oder Geld. Die vielen Touristen, die hier vorbeikommen haben dafür gesorgt, dass nunmehr jeder weisse Reisende angebettelt wird. Im Einzelfall ist das nicht allzu unangenehm, hier auf dem Markt ist es allerdings etwas stressig und wir sind froh als wir unseren Weg fortsetzen. Es ist auch nicht mehr weit bis zu unserer Herberge.


♪♪ Ein Klo im Maisfeld ♪♪

Wir übernachten außerhalb von Rufta auf einem kleinen Bauernhof. Als wir ankommen geht die Sonne unter und die Schafe und Ziegen werden nach Hause getrieben.  Unser Zimmer gut. Es hat einen Betonboden und wir haben eine Matratze. Unsere Iso Matten brauchen wir heute also nicht und geben sie Charles und seinem Bruder für die Nacht – sie haben nämlich keine und würden sonst auf dem Boden schlafen. Abends gibt’s Reis mit Tomatensauce und Sardinen. Ich merke nach dem Essen, dass ich mein Magen rumort. Den Tag über hatte ich leichte Bauchschmerzen. Charles zeigt mir die „Toilette“. Es ist ein Loch mit Paravent aus Blättern mitten im Maisfeld. Wir haben Schwierigkeiten das stille Örtchen im Feld zu finden und irren fast 5 Minuten umher, bis wir Erfolg haben. Dann geht’s ganz schnell – ich habe starken Durchfall ansonsten geht es mir gut. Nachts muss ich nochmal raus. Diesmal finde ich auch nach längerem Suchen das Klo nicht und muss meine Notdurft mitten im Feld verrichten. Wir lachen herzlich, als ich Daniela schildere wie ich nervös mit zusammengekniffenen Pobacken durchs Maisfeld flitze und das Klo nicht finde. Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen. 

Markt in Rufta. Hier trifft man sich.

Unser Quartier am Abend: Ein idyllischer Bauernhof in der Nähe von Rufta.

Das Innenleben unserer Hütte. Moskitonetzt ist wegen Malaria Pflicht!
Hier die Karte


Trecking Rhumsiki auf einer größeren Karte anzeigen


Am nächsten morgen geht’s mir schon besser, aber ich verkneife mir den Kaffee. Weiter geht’s durch die schöne Landschaft. Heute ist das Wetter besser. Die Sonne scheint und es ist warm. Hier ein paar Bilder.

Drei ältere Frauen beim Vorbereiten des Gemüses. Den Namen der Blätter hab ich leider vergessen, schmeckt aber gut, roh ein bisschen wie Sauerampfer.

Zwischen den Felsen finden sich immer wieder versprengte Hüttenansammlungen - ein Bauernhof.

Typisches Bild für die Gegend: Felsnadeln, Rundhütten und Maisfelder.

Daniela mit glücklichen Kindern. Zum einen haben sie Ferien (aber sie müssen die Ziegen oder Kühe hüten), zum anderen haben sie Bonbons bekommen. Man beachte das Shirt ganz rechts ("Die Wilden Kerle").

Ein stolzer Expeditionsteilnehmer.


Mittags wird es richtig heiß und Daniela hat keine rechte Energie mehr. Später wird ihr schlecht. Wir sehen zu, dass wir zu unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit kommen. Auch hier schlafen wir auf einem Bauernhof. Daniela muss nachts brechen und leidet die ganze Nacht unter Übelkeit – ich habe dagegen keine Beschwerden. Was es letztendlich war, was sie falsches gegessen hat bleibt ein Rätsel, denn ich habe exakt das gleiche zu mir genommen. Wir beschließen jedenfalls die Tour abzubrechen und fahren morgens mit dem Moto nach Rhumsiki zurück. Es hat keinen Zweck derart geschwächt weiterzugehen. Wir gönnen uns ein gutes Hotel und ruhen uns erstmal aus. Nachmittags brechen wir nochmal zu einem kleinen Spaziergang mit Charles auf und erklimmen den örtlichen Berg bis zu einer zermoniellen Höhle – die aber meist Ziegen und Schafe als Unterschlupf vor dem Regen benutzen. Ein kleines Mädchen aus dem Dorf begleitet uns spontan. Hier die Bilder …

Das kleine Mädchen, was sich uns spontan angeschlossen hat und Charles.

Daniela und Charles beim Abstieg

Da wo die Sonne blitzt liegt ungefähr die Höhle, die wir kurz zuvor gesehen haben.


Abends gewittert es ordentlich und wir sind froh ein gutes Dach über dem Kopf zu haben.
Tags drauf fahren wir wie vorgenommen mit dem Mototaxi nach Mokolo zurück um von dort aus den Bus nach Maroua zu nehmen. Eine sehr schöne und abenteuerliche Fahrt. Hier ein paar Bilder und ein Video :


Auf dem Mototaxi gehts in leichtem Regen zurück nach Mokolo

Daniela hat auch sichtlich Spass an dem Ritt auf der schlechten Piste.




Alles in allem können wir jedem der gerne wandert die Gegend um Rhumsiki und die Mandara Berge nur empfehlen. Was an Infrastruktur für den verwöhnten Erstweltler fehlt wird durch die Herzlichkeit wieder wettgemacht. Preise müssen allerdings hart verhandelt werden und man sollte aufpassen, was man isst ;-)
Bis demnächst,
Daniela & Sven

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