Donnerstag, 11. August 2011

Kampagne in Bachingou



Bachingou
Wir kommen wie immer abends recht spät in unserem Zieldorf an. Wie häufig gibt’s zuerst mal etwas zu essen. Dann die gute Nachricht: Heute wird nicht mehr gearbeitet. Bei den anderen Kampagnen wurde nämlich direkt nach dem Essen losgelegt, denn es kommen viele Menschen, die von unserem Kommen gehört haben und warten den ganzen Tag auf unsere Ankunft. Deshalb beginnen Daniela und die anderen Doktoren schon in der ersten Nacht mit den Untersuchungen, währen Etienne und ich den Operationssaal herrichten. Wie gesagt: Normalerweise – diesmal geht man es gelassener an. Die wartenden Patienten kommen nicht von weit her oder kommen bei Verwandten im Dorf unter. Wir bauen jedenfalls die Zelte auf und machen uns Bettfertig. Wir campieren diesmal im Dorfzentrum im Innenhof eines Hauses. Der Boden ist Betoniert, also gibt es keine Möglichkeit die Zelte abzuspannen – leider.

Böses Erwachen
Nachts träume ich.  Ich liege in Kribi am Strand und die Wellen spielen mit meinen Füßen. Als ich aus diesem Traum erwache, merke ich, dass meine Unterhose und die komplette untere Schlafsackhälfte klitschnass ist. Ich hatte wegen der Ohrenstöpsel nichts vom Regen gehört und ich muss mit den Füßen an der Zeltplane gelegen haben, so dass sich der Schlafsack in aller Ruhe vollgesaugt hat. Ich steh auf, gehe notgedrungen raus in den Regen und versuche provisorisch Aussenzelt und Innenzelt auf Abstand zu halten. Wäscheklammern, Wasserflaschen, Mülltüten und was ich sonst noch so finde helfen dabei ein wenig. Mein Schlafsack ist aber nass und die Vorstellung da wieder reinzukriechen finde ich nicht verlockend.
Es ist 3:30 Uhr und im Haus ist noch Licht und ich höre Stimmen. Ich ziehe an, was ich an trockenen Klamotten finde und gehe ins Haus. Dort sitzen zwei Doktoren beim Essen – sie halten Ramadan und der Hunger hat sie wohl zu einem Nachtmahl geweckt. Ich geselle mich dazu und finde später einen freien Sessel zum schlummern – besser als nichts. Auf dem Boden und dem Sofa liegen bereits andere Mitarbeiter von Ascovime, einige hat ebenfalls der Regen reingetrieben. 

Das Team bei der Bachingou Kampagne - nicht allen sieht man die kurze Nacht an ...


Um sieben bin ich dann endgültig wach – aber nicht besonders fit. Nach einem schnellen Frühstück legen Etienne und ich los. Es ist diesmal nicht so kompliziert wie sonst. Die örtliche Krankenstation hat Strom in Form von Licht und Steckdosen und die Decken sind nicht so hoch. Wir zapfen die Lampen an und richten diesmal vier(!) Operationsplätze ein. Die Arbeit geht schnell und wir sind gegen Mittag fertig. Daniela ist mit den Untersuchungen beschäftigt. Es werden heute insgesamt über 400 Patienten untersucht. 

Christine aus Belgien und Anselm mit uns

Die wartenden Patienten lauschen Georges Ansprache - es regnet ein wenig.


Anselm, den wir in der Vorwoche in Bafoussam besucht haben ist auch da und macht Blutuntersuchungen im provisorischen Labor. Ich helfe ein wenig ihm Dinge anzureichen und mache mich sonst nützlich. Am Nachmittag mache ich mich auf ins Dorfzentrum um ein paar Bananen für die hungernde Belegschaft zu kaufen. Entweder werde ich besser im Runterhandeln, oder die Preise hier sind einfach niedriger als woanders – jedenfalls bekomme ich ca. 20 Bananen für umgerechnet 40 Cent. Nachdem alle eine kleine Essensration bekommen haben gönne ich mir mit Etienne ein Bierchen in der nahen Dorfkneipe. Ein wenig schlechtes Gewissen habe ich dabei, denn alle anderen müssen gerade arbeiten – aber in der Apotheke waren gerade genug Mitarbeiter und die anderen Tätigkeiten können die Mediziner einfach besser. Da konzentriere ich mich lieber auf meine Kernkompetenzen: Technik    -  und Bier trinken ;-)

Etienne und ich beschränken uns auf eine unserer Kernkompetenzen. Ich sags mal durch die Blume: Er ist noch zu haben ...
Etienne will mich in Deutschland besuchen und ich soll ihm eine Frau suchen – ein Scherz mit ein wenig Ernst. Wieder zurück an der Krankenstation bereiten wir noch alles für den Fall eines Stromausfalls vor – dann ist eigentlich Feierabend, denn die Patientenaufnahme ist beendet, die letzten Untersuchungen laufen noch und die behandelten Patienten müssen dann noch zur Medikamentenausgabe. Das Ende ist also abzusehen und es ist noch nicht mal dunkel! Das ging schnell diesmal. Auch die Operationen, die im Anschluss an die Untersuchungen stattfinden sind heute nicht so zahlreich und bisher sind keine Leistenbrüche dabei (sonst häufig und aufwendig zu operieren).  Also durchweg gut Nachrichten für das Team, das sich allerdings nach den vergangenen Kampagnen und der kurzen und nassen Nacht eine Pause verdient hat.
Gegen 23:00 Uhr abends ist alles geschafft und wir ziehen in die Dorfdisko. Jedes kleine Örtchen hat hier ein Nachtlokal – scheinbar ein Grundbedürfnis. Ich kann nach einem halben Bier schon nicht mehr die Augen offen halten und verziehe mich ins Zelt. Am Nachmittag hatte ich mit Etienne alle Zelte ordentlich abgespannt, indem wir jeweils ein paar dicke Nägel in den Asphaltboden geschlagen haben, die jetzt als Heringe dienen. Man muss dabei nur höllisch aufpassen, dass man keinen verbiegt, denn Nägel sich hier teuer und werden aus diesem Grund nach jeder Kampagne beim Abbau mitgenommen.
Die Nacht bleibt es trocken – eigentlich ein bisschen schade um die viele Arbeit am Nachmittag, aber was solls. 

Der Berg Ruft
Ich werde trotz Ohrenstöpsel um 6:30 wach. Vor dem Zelt herrscht reges Treiben. Im Halbschlaf erinnere ich mich an einen vagen Plan vom Vortag, heute vor dem Frühstück eine Wanderung auf den nahen Dorfberg zu machen. Laut Einheimischen eine Tour von 2,5 Stunden. Da ich sowieso wach bin kann ich auch mitlaufen denke ich mir und mache mich fertig. Daniela lässt sich auch überreden und los geht’s. Unterwegs schalte ich das GPS meines Smartphones ein um den Weg aufzuzeichnen. Ein kleiner Junge von knapp zehn Jahren führt uns. Er legt ein gehöriges Tempo vor und das Feld der Wanderer zieht sich auseinander. Daniela und ich sich mit unserem Equipment technisch am besten ausgestattet. Wir haben vor allem Wanderschuhe  - viele Kameruner laufen in Badeschlappen, die anderen Europäer meist in Turnschuhen. 

Blick zurück ins Tal

Interessante Flora ...


Wolken ziehen die Bergflanken hinauf und der Weg ist zu Beginn recht steil. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Ab und zu reisst die Wolkenwand auf und man hat einen kurzen Blick auf die Landschaft. Nach einer Anstrengenden Wanderung erreichen wir nach 2 Stunden den Gipfel. Die Freude ist groß und es beginnt eine wahre Fotoorgie um den Moment angemessen festzuhalten. Plötzlich wird in dieser Hochstimmung die Kameruner Nationalhymne angestimmt und alle singen inbrünstig mit. Ich schaue auf mein GPS und messe die Höhe – wir sind auf 1975m, als ich das Gerät angeschaltet habe waren es 1460m, also ein stattlicher Höhengewinn!

Zengue und Mesmin sind begeistert vom GPS. Ich habe sogar Netz und poste die Koordinaten und ein Foto direkt bei Facebook.


Gruppenbild der stolzen Seilschaft

Dr. Georges Bwelle mit uns beiden


 Nachdem die Fotosession sich noch einige Minuten zieht, gibt ein Windstoß den Blick nach Westen frei. Wir sehen den tatsächlichen Gipfel. Was wir in den Wolken für die Bergspitze gehalten haben ist bloß der zweithöchste Punkt – also geht’s nochmal weiter: in weiteren 40 Minuten bis auf 2118m.

Der Wind gibt den echten Gipfel frei - da müssen wir wohl noch weiter .... Der kleine Junge rechts ist unser Führer.


Diesmal geht’s mit den Fotos schneller, denn hier ist es recht kalt und die Kameruner frieren. Am Hang sieht man ein Wildpferd grasen. Den ganzen Weg über waren mir große Kothaufen aufgefallen und ich hatte mich gefragt zu welchem Tier sie gehören. Jetzt weiss ich es, wobei das Pferd so wild nicht sein, kann, denn erstens scheint es nicht besonders scheu und zweitens hat es einen blauen Strick um den Hals ;-)  - aber unser Führer besteht darauf dass es ein Wildpferd sei.

Ein wenig mystisch in den Wolken ...

Diesmal das echte Gipfelbild

Das "Wildpferd"


Wir machen uns an den Abstieg. Der Weg ist ein anderer und viel steiler. Es ist wegen der Feuchtigkeit in den Wolken rutschig und wir müssen manchmal die Hände zu Hilfe nehmen. Das tut aber der Stimmung keinen Abbruch und wir singen ein Liedchen. 



Es wird noch steiler und wir gehen nun am Hang entlang auf einem schmalen Pfad. Er führt uns langsam um den Berg herum, führt uns durch kleine Wäldchen und gibt manchmal den Blick auf einzeln stehende Bauernhöfe frei. Es wirk mit etwas  Phantasie ein wenig wie in den Alpen. Der Rückweg zieht sich aber. Wir erreichen erst nach über fünf Stunden wieder unsere Ausgangsbasis. Etenne hat in der Zwischenzeit schon die Technik  abgebaut und Daniela und ich müssen uns beeilen unser Zelt einzupacken. Es gibt noch Frühstück und dann ist Abfahrt. Wir freuen uns ein wenig auf unsere Homebase in Yaoundé.

Die Zeit rennt
Heute ist schon wieder Donnerstag und unter der Woche haben wir hier einiges in Georges Haus erledigt. Wir haben eine Inventur der Medikamente gemacht und den Lagerraum für das medizinische Gerät umorganisiert. Heute geht’s schon wieder los auf die nächste Kampagne in den Süden und danach wollen Daniela und ich in den extremen Norden fahren um dort zwei Wochen im Waza Nationalpark und in den Mandara Bergen zu verbringen.
Mehr davon gibt’s dann demnächst und ich möchte zu gerne auch mehr von unserem täglichen Leben hier in Yaoundé erzählen, aber es fehlt mir leider die Zeit. Vielleicht schaffe ichs ja doch nochmal …

Bis dahin Beste Grüße in die Heimat von
Daniela und Sven     

1 Kommentar:

  1. Hallo Sven,

    gerade wollte ich mir die beiden von Dir eingestellten
    Videos ansehen, aber leider geht das nicht.
    Das eine ist auf Privat gesetzt und das ander
    scheint nicht vorhanden zu sein.
    Gibt es denn noch die möglichkeit sich die
    beiden Kunstwerke anzusehen?

    gruß Heinz

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