Sonntag, 9. Oktober 2011

Und hatten die Pest an Bord


Wir lagen vor Madagaskar
Nach einigen weiteren sehr schönen Tagen auf der Isle Sainte Marie mit Celina, Björn und Simon – schönen Gruß an dieser Stelle – sind wir nach einem Kurzaufenthalt in Tana direkt an die Südwestküste weitergeflogen. Ja, wir sind geflogen. Nach unserer Odyssee auf dem Hinweg zur Pirateninsel haben wir uns überlegt, dass das Fliegen eine Menge Zeit und Stress spart. Auch wenn es etwas teuer als Taxi-Brousse ist spart man am Ende dennoch Geld, denn die vielen Tage auf der Straße erfordern auch Übernachtungen in Hotels unterwegs und erhöhen die Kosten wiederum.
Im Hostel in Tana haben wir Franziska und Michael kennengelernt. Sie wollen die gleiche Tour machen und so bilden wir spontan ein 4er Team.  

Angekommen in  Tulear an der Südwestküste  versuchen erstmal eine Weiterfahrt nach Ifaty, einem Ort etwas nördlich zu bekommen.
Die übliche Strategie erstmal alle Taxifahrer abzuwimmeln um sich ein wenig zu orientieren und die gängigen Preise herauszufinden klappt hier nur bedingt. Plötzlich sind nämlich fast alle Taxis weg und wir sind noch ohne. Ein Fahrer ist noch da, aber er verlädt gerade das Gepäck seiner Passagiere. Er verspricht uns nach seiner Tour zurückzukommen um uns abzuholen. Eine halbe Stunde warten wir auf ihn, während um uns herum alles verschlossen wird. Es ist scheinbar Feierabend hier – kein Wunder nachdem der einzige Flieger des Tages gelandet und wieder gestartet ist. Nach 40 Minuten taucht unser Fahrer wieder auf und weiht uns ein, dass er uns nur bis in die Stadt mitnehmen kann, denn sein Auto sei zu schlecht für die Fahrt nach Ifaty. Das hatten wir uns anders vorgestellt, aber OK. In der Stadt finden wir an der Hauptkreuzung einen Kollegen von ihm, der bereit ist uns in seinem Auto nach Ifaty zu bringen. Ehrlich gesagt sieht es nicht viel besser aus als das erste, aber wir wollen wirklich weiter, denn es ist mittlerweile schon später Nachmittag. Nach zähen Preisverhandlungen verladen wir schließlich unser Gepäck und los geht’s. Nach ein paar hundert Metern hält der Fahrer zum zweiten Mal an und begutachtet das linke Hinterrad. Wir hatten auch schon das schleifende Geräusch bemerkt, aber nach Kamerun sind Daniela und ich da ziemlich abgehärtet und haben uns keine größeren Gedanken darum gemacht. Unser Fahrer scheinbar schon und er eröffnet uns, dass wir in diesem Auto nicht nach Ifaty kommen – wir sind überladen. Wir beschließen einen 4x4 (sprich: Kat-Kat), also ein allradfahrzeug zu nehmen, wie es übrigens auch im Reiseführer steht. Es kommt sogar nach ein paar Minuten eines vorbei. Unser Fahrer regelt alles. Die Insassen, die schon drin sitzen, werden mit Generator und Werkzeugen ausgeladen und wir steigen ein. Sie sind nicht sauer, sondern haben in Gegenteil scheinbar Spass dabei von vier Wazaas (so nennt man die Weißen hier) aus Ihrem Auto geschmissen zu werden. Dann fahren wir endlich.
Die Straße wird schnell schlecht, aber in unserem dritten Fahrzeug fühlen wir uns diesmal bestens gewappnet. Wir sind froh die Strecke nicht in dem zweiten Wagen machen zu müssen und sind uns nach ein paar Kilometern sicher mit den vorigen Fahrzeugen niemals angekommen zu sein. Nach knapp einer dreiviertel Stunde Fahrt und ca. der Hälfte der 23 Kilometer würgt unser Fahrer das Auto ab. „Ein kleines Problem …“ grinst er. Wir steigen aus und fotografieren die grandiose Landschaft: Trockenwald mit Kakteen und Dornenbüschen im Sonnenuntergang. Nach ein paar Minuten ist die Sonne unten und wir stehen immer noch da. Unser Fahrer hustet lange. Er hat beim Sprit ansaugen scheinbar einen tiefen Schluck Diesel genommen. Ein weiteres Auto hält neben uns. Das beruhigt, denn so haben wir zur Not gleich Auto Nummer vier zu Hand und können gegebenenfalls umsteigen. Unser Fahrer scheint auch einen ähnlichen Plan zu haben und erzählt er habe für alle Fälle schon ein Ersatzfahrzeug aus Tulear bestellt. Nach fünf Minuten schnurrt der Motor aber wieder und wir setzen mit gemischten Gefühlen die Fahrt fort. Das Auto riecht wie eine Tankstelle, denn der Chauffeur hat sich ordentlich mit Diesel bekleckert. Das schlimmste für das seelische Wohlbefinden ist  aber, dass wir bemerkt haben, dass wir das Netbook in Taxi Nummer zwei vergessen haben. In den Wirrungen des Taxitausches mit zwischendurch Getränke kaufen usw. ist das Netbook untergegangen. Wir hatten es zur Vorsicht aus dem Kofferraum genommen, was sich jetzt als grober Fehler herausstellt. Auf heißen Kohlen sitzend erreichen wir Ifaty und versuchen über unseren Fahrer die Telefonnummer des Taxisfahrers Zwei herauszubekommen. Er kennt sie zwar selbst nicht, kennt aber jemanden, ders wissen könnte. Nach bangen Minuten rumtelefonieren schließlich die erlösende Nachricht: Das Netbook hat er noch und wir können es bei unserer Rückreise in Tulear abholen. Uns fällt ein Stein vom Herzen und plötzlich schmeckt das THB (Three Horses Beer) nochmal so gut.

Taxi No.1 am Flughafen. Michael begutachtet skeptisch die Gepäckunterbringung - wird schon gehen.
Einladen in Taxi No.2
Auto No.3 macht Zicken, aber unser Fahrer Alberto kümmert sich drum
Während der Reparatur wirds langsam dunkel. Sonnenuntergang im Trockenwald

Ifaty
Ifaty ist berühmt für sein Korallenriff und soll ein toller Tauchspot sein. Nach meinen Schnorchelerlebnissen auf Sainte Marie bin ich schwer dafür zu haben. Nach dem Abenteuer des letzten Tages machen wir erstmal nichts und genießen das Strandleben. Ein wenig wird die Ruhe von den Strandläufern getrübt, die einem entweder Holzschnitzereien, Ketten, Muscheln, Massagen oder Zöpfeflechten anbieten.
Am nächsten Tag machen wir eine Pirogentour  in der Lagune mit Schnorchelausflug und Angeln. Mittags soll der gefangene Fisch am Strand gegrillt werden und wir besichtigen ein kleines Dorf. Danach gehts zurück nach Ifaty. Der Plan funktioniert  bis auf das Fischefangen – war ja klar – aber wir müssen nicht verhungern, denn die örtlichen Fischer hatten mehr Glück und teilen gegen ein kleines Entgeld ihren Fang mit uns. Es schmeckt vorzüglich. Alles in Allem ein toller Ausflug. Getrübt wird unsere Laune dennoch am Abend, als wir meine Wunde am Fuß verarzten (Wasserfeste pflaster sind nicht wasserfest…). Ich war am vorletzten Tag auf der Sainte Marie beim Schnorcheln in eine Koralle getreten und habe mir ein wenig den Fuß aufgeschnitten - musste mit zwei Stichen genäht werden. Ist also nichts wildes, man sollte aber trotzdem nicht ins Wasser damit! (Update: Mittlerweile sieht der Fuß wieder gut aus - macht Euch keine Sorgen)

Ein Tag Pause für meine Fuß - es gibt schlimmeres ;-)

Einer der grandiosen Sonnenuntergänge in Ifaty.

Ifaty, eine der wenigen Insels des Tourismus in Madagaskar. Hier kann man einfach am Strand in ein Restaurant und was leckeres bestellen ...Ich bin mir sicher Michael sagt gerade: "Ich glaube ich nehme heute mal ein THB."

Schnorcheln - gegen ärztlichen Rat

Eine Seefahrt die ist lustig. Franzi und Daniela als Leichtmatrosen auf der Piroge.

Liebstes Spielzeug der Dorfjungen: eine Spilezeug Piroge. Funktioniert super!



… und hatten die Pest an Bord
Am nächsten Tag gehen Franziska und Michael erstmal tauchen am Außenriff – wir nicht, ich hab ja Fuß. Wir versuchen schonmal unsere Fühler nach einem Fahrzeug auszustrecken um den Rückweg nach Tana anzutreten. Leider ohne Erfolg, aber wir haben noch ein paar Tage Zeit. Nachmittags fahren wir im Zebukarren in den Baobabwald. Die Bäume sind beeindruckend. Der älteste, so wir uns gesagt, ist über 6000 Jahre alt. Der ganze Trockenwald ist eine tolle Landschaft und wir treten nach über einer Stunde Waldgang den Rückweg im Zebukarren an. Die Zebus sind übrigens gar nicht so langsam und unsere scheinen besonders fit zu sein, denn unser Kutscher überholt ein paar Konkurrenten. Das gefällt denen nicht und so werden wir auf den letzten Metern bis zu unserem Hotel „Chez Alex“ noch Teilnehmer eines Zebukarrenrennens. Ich sag mal Ben Hur ist anders, aber nicht weniger spannend. Abends gehen wir wieder zu Freddy essen – sehr lecker.


Baobabs sind prima Kletterbäume ...

Impressionen aus dem Baobabwald

Kleiner Größenvergleich

Vor dem 6000 Jahre alten Baobab


Nachts  grummelt es in meinem Magen. Gegen morgen wird’s schlimmer und ich stelle fest, dass ich starken Durchfall habe. So gut ist mir auch nicht, aber nicht übel. Eigentlich wollten wir uns heute nach Tulear zurückfahren lassen um vor Ort leichter einen Wagen nach Tana zu finden. Ich liege aber erstmal flach und so beschließen wir lieber noch einen Tag in Ifaty zu bleiben. Die Entscheidung war goldrichtig, denn im Laufe des frühen Nachmittags zeigt das Fieberthermometer 40°C. Trotz 4 Gramm Paracetamol und kalter Umschläge bekommen wir es erst gegen Aben auf 39,5°C runter. Daniela ist beunruhigt und macht sich auf den Weg ins Krankenhaus um einen Malariatest zu besorgen. Einige Zeit später haben wir Gewissheit: kein Malaria. Puh – also “nur“ etwas falsches gegessen. Mir geht es subjektiv gar nicht so schlecht – objektiv zeigt das Thermometer aber immer noch weit über 39°C an und steigt zwischen den Dosen Paracetamol auch immer mal wieder an. Um 1:00 Uhr nachts nehme ich das nächste Gramm und habe das erste Mal nur um 39°C. Dann schlafe ich wieder erschöpft ein. Am nächsten morgen habe ich glatte 37°C und alle sind heilfroh.
Im Fieber hatte ich mitbekommen, wie Franziska einen Fahrer nach Antananarivo gefunden hat. Der Preis ist OK und so können wir heute den Rückweg starten. Nachdem wir noch unser Netbook abgeholt haben geht’s also los auf der RN7 gen Norden.


Mehr von unserer Reise auf der RN7 im nächsten Eintrag!
Bis dahin,
Daniela & Sven

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