Als wir am Flughafen in Chiang Mai ankommen beantwortet sich gleich eine meiner Fragen von selbst: Komme ich hier mit meinem Handy in Netz und wenn ja wie? Die Antwort kommt in Form von zwei Hostessen, die mir direkt am Baggage Claims eine kostenlose Prepaid SIM Karte anbieten, die zudem äußerst günstige Tarife (3c/min) für Telefonate nach Deutschland haben. Der Haken: Eigentlich keiner, nur das die Karte nach 30 Tagen verfällt – genau solange reicht unser Visum, also kein Problem und ich greife zu. Wir nehmen uns ein Taxi zum vorgebuchten Hotel. Erster Eindruck vom Verkehr: Voll, aber gesittet und viele, viele Scooter. Der Nachtportier am Guesthouse versteht kein Englisch, also wollen wir das förmliche Einchecken erst am nächsten Morgen erledigen und beziehen unser Zimmer. Es ist günstig für knapp 6€, aber das sieht man auch. Bei einem kleinen Erkundungsgang in der näheren Umgebung auf der Suche nach Essbarem finden wir ein Guesthouse unter deutscher Führung, das nur unwesentlich teurer ist, dafür aber wesentlich sauberer und gemütlicher – und vor allem mit typisch deutschem Frühstück! Da können wir nicht widerstehen und ziehen kurzerhand um. Wir wohnen jetzt bei Olaf in der Thapae Gate Lodge. Nach einem sehr guten Frühstück besichtigen wir am späten Vormittag unseren ersten Buddhistischen Tempel. Schon toll, viel Gold und Rot – und viele Touristen. Die Flut im Süden hat die Thailandreisenden entweder ganz abgeschreckt oder wie uns in den Norden getrieben. Also tummelt sich alles hier in Chiang Mai. Wir entdecken ein Schild, das einen Konversationsbereich ausweist. Das Kleingedruckte erklärt, dass man sich hier mit den Buddhistischen Mönchen unterhalten kann. Wir wollen mitmachen und finden eine kleine Gruppe von Novizen, die unsere Fragen zum Buddhismus beantwortet. Leider stoßen sie mit ihrem Englisch schnell an ihre Grenzen und so hilft später ein älteres Semester aus und gibt uns einige Einblicke in die Gepflogenheiten der Mönche.


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| Wie andernorts sammeln die Buddhistischen Mönche auch hier Ihre Nahrung jeden Morgen von den Einwohnern. Was diese seltsamen Gefäße damit zu tun haben? Keine Ahnung. Vielleicht gibt die Beschriftung darüber Aufschluss? |
Wir saugen weiter die Atmosphäre auf. Asien ist ein ganz neuer Eindruck für uns. An jeder Ecke gibt’s Massagen, für 2,50€ kann man sich von kleinen Fischen die Hornhaut von den Füßen lutschen lassen und die Zweitakter Tuktuks (die allgegenwärtigen Dreiradmopeds) röhren in den Straßen. In Chiang Mai werden wir auch von dem Angebot an Reise- und Tourenveranstaltern überrascht: Ein Reisebüro neben dem anderen und alle bieten fast identische Touren in die Umgebung an. Manchmal wird das manchmal recht einheitliche Straßenbild durch einen der ebenfalls zahlreichen Schneider unterbrochen. Sie bieten jede Art von Garderobe an und schneidern auch nach Katalog- oder Fotovorlage.
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| Kalte Kokusnus für 25 Cent - so kannman die Hitze aushalten! |
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| Flusskäfer werden hier mit zusammengebundenen Beinen lebend angeboten. Wozu? Vermutlich zum Essen. Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen ... |
Auf Dauer können wir uns dem Werbedruck nicht widersetzen. Abends buchen wir also mit Thomas und Vera aus Ostwestfalen, die auch in unserem Guesthouse wohnen eine organisierte Treckingtour im Dschungel für die nächsten drei Tage. Es geht am nächsten Morgen schon los. Wir sind insgesamt zu zwölft – eine internationale Truppe und schlagen uns nach zwei Stunden Fahrt mit dem Tuktuk mit unseren zwei Guides in die Büsche. Einer der Guides heißt „Come-On“ und wir müssen an „Bienvenue“, unseren Führer in Madagaskar denken: Guides haben scheinbar des Öfteren seltsame Namen. Jedenfalls ist das Führerteam gut aufgelegt und zeigt uns diverse Pflanzen und macht ein paar Späße mit der lokalen Flora (siehe Bilder). Nach einem steilen Anstieg durch den Wald erreichen wir ein Höhle, die begangen werden kann und dann hinter dem Bergkamm das nächste Tal. Es ist eine Mischung aus Wald und Kulturlandschaft. Hier wird viel Salat gezogen und der wird über eine Vielzahl von Rohrleitungen, über die wir schon im Dschungel gestolpert sind, bewässert. Für den nötigen Druck sorgt die Schwerkraft. Am Abend erreichen wir unser Nachtquartier. Wir werden lecker bekocht und bei der anschließenden Lagerfeuerrunde trumpfen unsere Entertainer/Guides mit ein paar Denkspielchen auf.
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| Blick über die Berge nahe Chiang Mai |
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| Unser Guide "Come-On" macht Späße mit dem Blatt eines Bananenherzen |
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| Kurze Pause. Wir schauen den Dorfbewohnern beim Reisrechen zu. |
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| ... auch die kleinsten helfen mit. |
Am nächsten morgen werde ich vom Duft gebratenen Knoblauchs geweckt – ein zweites Mal, denn zuvor hatten die Dorfhähne eine unüberhörbare Probe ihres gesanglichen Könnens abgegeben. Insgeheim hoffe ich, es gibt dieses Federvieh mit dem Knoblauch zum Frühstück, werde dann aber doch enttäuscht. Der Knoblauchduft mischt sich mit dem Rauch vom Feuer, auf dem gekocht wird und Fettschwaden, so dass einer nach dem anderen unserer Gruppe zu Husten anfängt – auch eine Methode geweckt zu werden. Nach dem Frühstück geht’s weiter durch das Bergdorf zu einem Wasserfall. Hier teilt sich unsere Gruppe, denn einige haben nur eine Tour mit einer Übernachtung gebucht und gehen zurück zum Ausgangspunkt. Wir bleiben zu sechst, haben aber wie schon so oft weiteren Zuwachs in Form eines Dorfhundes bekommen, der uns seit dem Morgen folgt. So ziehen wir weiter auf und ab durch den Dschungel. Das Mittagessen ist wieder ein Highlight. Es gibt gebratenen Reis aus einem Bananenblatt das zu einem Trichter gerollt ist. Unser Handwerkszeug stammt auch aus dem Wald: selbstgeschnitzte Bambusstäbchen, die unser Führer beim Gehen angefertigt hat. Das ganze findet an einem schönen Bach auf einer kleinen Sandbank statt – sehr idyllisch alles. Kurz bevor wir unser Tagesetappenziel erreichen, kommen wir an einem Wasserfall vorbei. Wir dürfen auch baden! Getrocknet werden unsere nassen Sachen am Feuer, das gleichzeitig auch die Mücken fernhält.
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| "Puristisches"Mofa ohne den überflüssigen Schnickschnack |
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| Bedrohliche Kopfgroße Spinne - keiner wusste ob die giftig sind. |
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| ... schon wieder ein Hund als Weggefährte |
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| Unser Guide bereitet unsere Teller aus Bananenblättern vor. Die Bambusstäbchen hat er schon auf dem Weg geschnitzt. |
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| Thai- Soundsystem. Karaoke Anlage der Extraklasse. Ich sag nur "3-Way Adio"! |
Nach einer weiteren Übernachtung bei einem Bergbauern steigen wir am nächsten Morgen wieder ab ins Tal. Heute steht Elefantenreiten auf dem Programm. Vera möchte das nicht unterstützen und Daniela zeigt sich solidarisch. Thomas und ich probieren es aus. Ich machs mal kurz: Elefantenreiten braucht kein Mensch und die Elefanten noch viel weniger! Vielleicht sind wir aber auch durch unsere Kultur anders geprägt. Hier in Südostasien hat der Einsatz von Elefanten als Nutz- und Arbeitstiere Tradition und wenn man mal unsere Haltung von Nutztieren betrachtet sind die Unterschiede nicht so gravierend. Trotzdem fühlt es sich nicht gut an auf dem Rücken des Dickhäuters, der mit Stockschlägen in die richtige Richtung gelenkt wird.
Nach unserem „Husarenritt“ geht’s im Tuktuk wieder zurück nach Chiang Mai. Es ist Sonntag und wir wollen am Abend noch auf den wöchentlichen Sunday Night Market in der Altstadt. Es ist ein ganz schönes Gewusel und ein Stand reiht sich an den anderen. Es gibt Kleidung, zahlreiche Souveniers und süße „Stehrümchen“. Wir essen an den Essenständen auf dem Gelände eines der großen Tempel in Chiang Mai. Das Angebot ist kaum überschaubar, so dass wir uns trennen und uns hinterher mit unserer persönlichen Ausbeute wiedertreffen. Das Essen ist dann mehr ein wildes Rumprobieren der verschiedenen Köstlichkeiten.
Die nächsten Tage schauen wir uns ein paar Tempel im Umland an und machen uns schließlich auf den Weg nach Pai – laut Reiseführer einer der letzten Refugien für die Späthippies, die Thailand einst für westlichen Tourismus entdeckten. Den Weg dorthin legen wir mit öffentlichem Nahverkehr zurück. Der klimatisierte Van ist jedoch Komforttechnisch ein Quantensprung verglichen mit unseren Erfahrung in Kamerun oder Madagaskar – die Musik jedoch ist schwer gewöhnungsbedürftig. Die Strecke nach Pai ist berüchtigt für die zahlreichen Kurven – knapp 720(!) und die Straße fordert nach etwa der Hälfte der Strecke ihre ersten Opfer, die zu den Kotztüten greifen. Mir ist auch etwas anders zumute – das kommt aber von der Musik, die mir inzwischen doch auf den Magen schlägt.
Als wir ankommen suchen wir uns erstmal ein Hotel, was sich als nicht so leicht herausstellt, nach dem sechsten oder siebten Versuch haben wir endlich Erfolg. Unsere kleine Bungalowsiedlung liegt auf der anderen Flussseite und kann über eine wackelige Bambusbrücke erreicht werden und es wohnen hauptsächlich Thailänder hier – kein schlechtes Zeichen.
In unserer Zeit in Pai erkunden wir die Gegend mit dem Motorroller, landen auf einer Poolparty und machen einen Thai-Kochkurs. Wir dosieren bei allen Gerichten mal die Chilli-Dosis auf die Hälfte oder weniger. Trotzdem treibt uns das Ergebnis – obwohl köstlich – manchmal die Tränen in die Augen. Zu guter letzt beiße ich noch herzhaft auf eine Chilli in meinem Papayasalat. Ich dachte ich hätte sie rausgefischt nachdem ich sie im Mörser mit den anderen Zutaten vermengt hatte – das war dann wohl doch eine Bohne. Aber ich habe noch Glück, denn mit meiner mitteleuropäischen Dosierung von einer Chilli liege ich noch weit hinter den 7-11 Schoten, die hier in der Regel in einen Papayasalat für eine Person gehören. Jedenfalls sind wir am Ende ganz zufrieden mit unseren Kochkünsten und bekommen auch noch unser persönliches Kochbuch mit nach Hause.
Die meiste Zeit sind wir mit Caitriona und Gary zusammen, zwei Iren, die auf dem Weg nach Australien sind um dort Arbeit zu finden und mit denen wir schon die 730 Kurven überlebt haben. Pai ist wirklich ein entspanntes Fleckchen und wir vier haben viel Spass! Die "Groovy" Atmosphäre fängt uns schließlich auch ein und so verbringen wir einen Tag ganz entspannt am Pool eines Edelresorts - ganz allein!
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| "Ich habe da schonmal was vorbereitet ..." Kochkurs in Pai |
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| Eine halbe Stunde vorher mit unserer Kochlehrerin auf dem örtlichen Markt. Es werden Zutaten und Gewürze erklärt. |
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| Ein stolzer Koch mit grünem Thai-Curry zeigt sein breitestes Fotogrinsen. |
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| So leben Aussteiger in Pai. Die "Jungle Bar" im Wald. |
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| "Keep the Motor runnin ...". Liebe Hells Angels, Daniela hat den Helm absichtlich falsch herum auf weils einfach cooler ist! |
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| Tiefenentspannt: Zen in Pai - Ohmmmmmmmmmmmmm |
Zurück in Chiang Mai (nochmal 730 Kurven später) vergehen die Tage sehr schnell. Wir machen unseren weiteren Reiseplan und kommen bei dem Thailändischen Angebot auf den Shopping Geschmack – es ist ja bald Weihnachten …
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| Schonmal ein Beer Lao auf unsere nächste Reisestation mit Caitriona. |
Am nächsten Tag treefen wir uns mit Suwicha, einer Kollegin aus Unitagen. Sie hat wie ich an den Jupitermonden geforscht, ist gebürtige Thai und arbeitet jetzt in Ciang Mai. Sie freut sich, als ich anrufe und hat ein tolles Programm vorbereitet. Sie führt uns zu einer Art Cheerleader Contest zwischen den verschiedenen Fakultäten der Universität. Es geht aber weit über das amerikanische Cheerleaden hinaus. Es ist ein Gesamtkonzept aus Bühnen schow mit Tanz- und Musikeinlagen, das Buhnenbild ist selbstgemacht und sogar das Publikum auf der Tribüne macht nach einstudierter Choreographie mit. Jede Fakultät hat zwanzig Minuten Zeit - es gibt knapp unter zwanzig. Wir genießen die Show und auf Empfehlung von Suwicha diverse Köstlichkeiten an den zahlreichen Essensständen. Dankbar und gesättigt machen wir uns nach dem Erlebnis leider ohne brauchbare Fotoausbeute auf den Heimweg. Jobmöglichkeiten in Thailand scheiden für mich übrigens aus: Suwicha verdient als Post-Doc gerade mal 500 Euro im Monat und muss in einem Schlafsaal auf dem Campus wohnen!
Noch einen Tag verbringen wir mit Weihnachtseinkäufen. Es ist fast so ein Stress wie zu Hause, aber die Temperaturen sind angenehmer. Ich muss heute noch meinen Schwarzen Anzug anprobieren. Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe mir einen Anzug schneidern lassen! Hier das Beweisfoto:
Nach einigen Tagen schaffen wir aber den Absprung und machen uns auf nach Chiang Kong, der Grenzstadt zu Laos. Am Abend kommen wir an und verbringen die Nacht in einem Hostel am Mekongufer. Morgen wollen wir früh morgens übersetzen und nach Laos einreisen um die nächsten zwei Tage auf dem Mekong flussabwärts zu reisen …
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| Aufbruch nach Chiang Kong. Im Hintergrund habe ich gerade Maarten entdeckt, den wir da aber noch nicht kennen - mehr von ihm und unserer Reise in Laos im nächsten Eintrag ... |
Der Erste Tag unseres Laos Trips ist aber auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes: Es ist Danielas Geburtstag. Auf dem Mekong werden wir vermutlich kaum erreichbar sein und so rufen wir kurz nach Mitternacht zu Hause an – zur besten Deutschen Abendbrotzeit.
Am nächsten morgen stehen wir dann am Flussufer und setzen mit einer Schaluppe über zur Laotischen Seite – Auf Wiedersehen Thailand!
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| Ein letztes Foto in Thailand an den Ufern des Mekong. |
Hallo Daniela Hallo Sven,
AntwortenLöschenThailand scheint ja sehr aufregend zu sein
und wenn ich so Deinen Bericht lese, scheint
es Euch beiden da sehr gut zu gefallen.
Zu Deinem Thai-Curry, möchte ich Dir nur sagen;
sei Froh, daß man von einen Foto nichts mopsen
kann, sonst hätte ich auch mal probiert!
Ich bin schon froh, daß Jobmöglichkeiten in Thailand ausscheiden, denn es würde mich schon
freuen, Dich wieder in Köln zu sehen!!!
Zu Danielas Geburtstag möchte ich alles gute wünschen.
-------♥♥♥♥Mazel Tov♥♥♥♥-------
Gruß Heinz
Hallo Sven,
AntwortenLöschenzu Deiner Spinne, habe ich mal etwas gegoogelt.
Hier bei könnte es sich vielleicht um eine
Nephila pilipes handeln. http://de.wikipedia.org/wiki/Nephila_pilipes
Beim weiteren nachlesen, bin ich auf folgende Info gestoßen.
Nephila pilipes deren Gift unter Umständen
auch für einen Menschen tödlich sein kann.
Wenn es sich dann wirklich um diese Spinne handeln sollte,
auf jeden Fall Finger weg!
Ich habe später noch in der Zoologie einen Termin bei jemandem,
der Tierbestimmungen macht und sollte sich da noch etwas ergeben,
lasse ich es Dich wissen.
gruß Heinz