Welcome to Cameroon
Zwischenlandung in Casablanca. Nach unserem Abflug aus Frankfurt vor fast vier Stunden realisieren wir immer mehr, dass wir keinen Kurzurlaub machen werden. Unser Sitznachbar im Flugzeug heißt Mohamed und ist ein hessischer Marokkaner - oder marokkanischer Hesse, je nachdem. Wir unterhalten uns gut und fast den ganzen Flug über, schießen Fotos und tauschen Email Adressen aus. Er wird unser Blog verfolgen.
@Mohamed: Hallo und danke für das Foto!
Nach insgesamt 12 stündiger Reise landen wir am Samstagmorgen um 3:30 Uhr in Yaoundé. Nach kurzer Überprüfung von Gelbfieberimpfung und Visa betreten wir Kameruner Boden, um sofort dem ersten Ripp-off Versuch bei der Gepäckabholung zu wiederstehen. Eindringlich versichert man uns, es sei unbedingt erforderlich 20 Euro für einen "Berater" zu bezahlen um mögliche Scherereien mit dem Zoll zu vermeiden. Wir schlagen das Angebot aus und passieren ohne Probleme den Zoll.
1:0 für uns ;-)
Nach kurzer Wartezeit werden wir von Mesmin und Gabriel, zwei Mitarbeitern des Projekts abgeholt. Irgendwie schaffen sie es all unser Gepäck - immerhin fast 80 Kilo und davon ein größer Teil voluminöses Verbandsmaterial - in ihren Kleinstwagen zu bugsieren. Dann gehts los.
Es dauert keine 5 Minuten bis zum ersten waghalsigen Überholmanöver - auf unsere Bitte wird aber dann die Geschwindigkeit gedrosselt. Nach 20 Minuten Fahrt mit klappernder Kofferraumtür erreichen wir Rond Point Damas - unsere Ausgangsbasis für die nächsten 2 Monate. Dr. George Bwelle, der Arzt, der Ascovime in Leben gerufen hat, steht extra nochmal auf um uns zu begrüßen. Auch einigen der anderen freiwilligen Helfer aus Europa sind noch wach. Sie wollen in der Nacht noch zu Mt. Kamerun aufbrechen und den höchsten Berg Westafrikas besteigen.
Nach den Begrüssungs- und gleichzeitig Verabschiedungszeremonien kommen wir um 5 Uhr dann endlich ins Bett. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen ist aber gerade erst früher Abend. Mittlerweile wissen wir dass sich die Lautstärke während der Nacht nur unwesentlich ändert und preisen täglich unser Ohropax.
Der nächste Tag startet mit Pain au Chocolat zum Frühstück relativ europäisch. Dr. Bwelle - im Folgenden nur noch George - erklärte uns seine Philosophie von Ascovime und wie sich seine ursprüngliche Idee weiterentwickelt hat. Seine zunächst rein medizinische Mission ist mittlerweile auch ein Bildungsprojekt und man kümmert sich um Geburtsurkunden für die ländliche Bevölkerung. Wir haben das Gefühl, dass unser Geld hier gut angelegt ist. Der mitgebrachte Internet Router und Danielas Notebook werden begeistert in Empfang genommen: Überraschung gelungen. Unser Verbandsmaterial und Reste von der letzten Kampagne werden geordnet, gezählt und für die die nächste Mission am kommenden Donnerstag gepackt. Vier Franzosen helfen uns, aber auch sie wollen bis Donnerstag reisen und brechen nach getaner Arbeit auf in Richtung Küste. Wir bleiben fürs erste da, denn wir wollen uns zunächst akklimatisieren. Außerdem haben wir festgestellt, dass unser Französisch nicht wirklich für das tägliche Leben hier reicht - geschweige denn für die medizinische Anamnese, die auf Daniela zukommt. Wir wollen erstmal einen Sprachkurs besuchen.
Doch zuerst brauchen wir Geld. Daher nehmen wir ein Taxi zum Zentrum. Die Fahrt verschlägt uns den Atem. Die ersten Kilometer sind eine einzige Schlaglochralley. An den Straßenrändern werden alle erdenklichen Dinge feilgeboten, geschweißt, diskutiert und überall hört man Musik. Die Straßen sind voll. Fußgänger, Motorradtaxis und gelbe Taxi PKWs drängen sich dicht und scheinbar wird jeder Zentimeter Platz ausgenutzt. Begleitet wird das ganze von lautstarkem Hupen und beißendem Benzingeruch. Die Eindrücke der Fahrt bringen unser Aufnehmungsvermögen an ihre Grenzen. Es fängt an zu regnen.
Wieder zu Hause angekommen verwerfen wir unsere ursprüngliche Idee von der Stadtrundfahrt. Wir haben erstmal genug zu verarbeiten. Der Kulturschock - wenn man es so nennen will - wird durch ganz alltägliche Umstände nicht gerade gelindert. Wir haben kein fließendes Wasser und alle scheinen uns, die "blanc" auf der Straße anzustarren. Im Haus dagegen ist es völlig anders. Alle vom Projekt sind sehr nett und zuvorkommend. Sie kümmern sich rührend um uns – wir fühlen uns sehr gut aufgehoben.
Mit Issa stürzen wir uns zum ersten Mal ins Getümmel von Damas. Issa ist Künstler aus einem abgelegenen Dorf, das George zweimal im Jahr besucht. Er war früher Cartoonist und hat mehrmals wegen politisch unkorrekter Zeichnungen im Gefängnis gesessen. Jetzt wohnt er in Santa Fe, New Mexico und unterrichtet Kunst, hat eine Gallerie in New York. Er kommt regelmäßig nach Kamerun um sein Dorf und seine Familie zu besuchen. Wir kaufen gegrillte Kochbananen, Avocados, Ananas und "Plumes", eine Art Pflaume, die aber nur gegrillt genießbar ist.
Wir schauen auch kurz im "Cyber Café" vorbei und mir wird klar, dass das bloggen von hier aus schwierig wird - jedenfalls, wenn man außer Text noch Bilder oder Ähnliches hochladen will. Das hier ist der erste Versuch - voilà!
Das Essen ist gut. Natürlich schmeckt die Ananas viel besser als zu Hause – Daniela, die Avocado Expertin meint, dass bei den Avocados kein Unterschied festzustellen ist. Kochbananen sind jedenfalls unser Fall!
Zusammengefasst: Uns geht es sehr gut, wir sind gut versorgt. Es ist halt ganz anders als in Europa – und auch als in Südamerika, meint Daniela.
Heute ist Mittwoch und wir haben uns schon an vieles gewöhnt.
A Bientôt,
Daniela & Sven
P.S.: Kamerun hat gerade ausgeglichen 1:1. Ich habe Durchfall – aber es geht schon ;-)
Zwischenlandung in Casablanca. Nach unserem Abflug aus Frankfurt vor fast vier Stunden realisieren wir immer mehr, dass wir keinen Kurzurlaub machen werden. Unser Sitznachbar im Flugzeug heißt Mohamed und ist ein hessischer Marokkaner - oder marokkanischer Hesse, je nachdem. Wir unterhalten uns gut und fast den ganzen Flug über, schießen Fotos und tauschen Email Adressen aus. Er wird unser Blog verfolgen.
@Mohamed: Hallo und danke für das Foto!
Nach insgesamt 12 stündiger Reise landen wir am Samstagmorgen um 3:30 Uhr in Yaoundé. Nach kurzer Überprüfung von Gelbfieberimpfung und Visa betreten wir Kameruner Boden, um sofort dem ersten Ripp-off Versuch bei der Gepäckabholung zu wiederstehen. Eindringlich versichert man uns, es sei unbedingt erforderlich 20 Euro für einen "Berater" zu bezahlen um mögliche Scherereien mit dem Zoll zu vermeiden. Wir schlagen das Angebot aus und passieren ohne Probleme den Zoll.
1:0 für uns ;-)
Nach kurzer Wartezeit werden wir von Mesmin und Gabriel, zwei Mitarbeitern des Projekts abgeholt. Irgendwie schaffen sie es all unser Gepäck - immerhin fast 80 Kilo und davon ein größer Teil voluminöses Verbandsmaterial - in ihren Kleinstwagen zu bugsieren. Dann gehts los.
Es dauert keine 5 Minuten bis zum ersten waghalsigen Überholmanöver - auf unsere Bitte wird aber dann die Geschwindigkeit gedrosselt. Nach 20 Minuten Fahrt mit klappernder Kofferraumtür erreichen wir Rond Point Damas - unsere Ausgangsbasis für die nächsten 2 Monate. Dr. George Bwelle, der Arzt, der Ascovime in Leben gerufen hat, steht extra nochmal auf um uns zu begrüßen. Auch einigen der anderen freiwilligen Helfer aus Europa sind noch wach. Sie wollen in der Nacht noch zu Mt. Kamerun aufbrechen und den höchsten Berg Westafrikas besteigen.
Nach den Begrüssungs- und gleichzeitig Verabschiedungszeremonien kommen wir um 5 Uhr dann endlich ins Bett. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen ist aber gerade erst früher Abend. Mittlerweile wissen wir dass sich die Lautstärke während der Nacht nur unwesentlich ändert und preisen täglich unser Ohropax.
Der nächste Tag startet mit Pain au Chocolat zum Frühstück relativ europäisch. Dr. Bwelle - im Folgenden nur noch George - erklärte uns seine Philosophie von Ascovime und wie sich seine ursprüngliche Idee weiterentwickelt hat. Seine zunächst rein medizinische Mission ist mittlerweile auch ein Bildungsprojekt und man kümmert sich um Geburtsurkunden für die ländliche Bevölkerung. Wir haben das Gefühl, dass unser Geld hier gut angelegt ist. Der mitgebrachte Internet Router und Danielas Notebook werden begeistert in Empfang genommen: Überraschung gelungen. Unser Verbandsmaterial und Reste von der letzten Kampagne werden geordnet, gezählt und für die die nächste Mission am kommenden Donnerstag gepackt. Vier Franzosen helfen uns, aber auch sie wollen bis Donnerstag reisen und brechen nach getaner Arbeit auf in Richtung Küste. Wir bleiben fürs erste da, denn wir wollen uns zunächst akklimatisieren. Außerdem haben wir festgestellt, dass unser Französisch nicht wirklich für das tägliche Leben hier reicht - geschweige denn für die medizinische Anamnese, die auf Daniela zukommt. Wir wollen erstmal einen Sprachkurs besuchen.
Doch zuerst brauchen wir Geld. Daher nehmen wir ein Taxi zum Zentrum. Die Fahrt verschlägt uns den Atem. Die ersten Kilometer sind eine einzige Schlaglochralley. An den Straßenrändern werden alle erdenklichen Dinge feilgeboten, geschweißt, diskutiert und überall hört man Musik. Die Straßen sind voll. Fußgänger, Motorradtaxis und gelbe Taxi PKWs drängen sich dicht und scheinbar wird jeder Zentimeter Platz ausgenutzt. Begleitet wird das ganze von lautstarkem Hupen und beißendem Benzingeruch. Die Eindrücke der Fahrt bringen unser Aufnehmungsvermögen an ihre Grenzen. Es fängt an zu regnen.
Wieder zu Hause angekommen verwerfen wir unsere ursprüngliche Idee von der Stadtrundfahrt. Wir haben erstmal genug zu verarbeiten. Der Kulturschock - wenn man es so nennen will - wird durch ganz alltägliche Umstände nicht gerade gelindert. Wir haben kein fließendes Wasser und alle scheinen uns, die "blanc" auf der Straße anzustarren. Im Haus dagegen ist es völlig anders. Alle vom Projekt sind sehr nett und zuvorkommend. Sie kümmern sich rührend um uns – wir fühlen uns sehr gut aufgehoben.
Mit Issa stürzen wir uns zum ersten Mal ins Getümmel von Damas. Issa ist Künstler aus einem abgelegenen Dorf, das George zweimal im Jahr besucht. Er war früher Cartoonist und hat mehrmals wegen politisch unkorrekter Zeichnungen im Gefängnis gesessen. Jetzt wohnt er in Santa Fe, New Mexico und unterrichtet Kunst, hat eine Gallerie in New York. Er kommt regelmäßig nach Kamerun um sein Dorf und seine Familie zu besuchen. Wir kaufen gegrillte Kochbananen, Avocados, Ananas und "Plumes", eine Art Pflaume, die aber nur gegrillt genießbar ist.
Wir schauen auch kurz im "Cyber Café" vorbei und mir wird klar, dass das bloggen von hier aus schwierig wird - jedenfalls, wenn man außer Text noch Bilder oder Ähnliches hochladen will. Das hier ist der erste Versuch - voilà!
Das Essen ist gut. Natürlich schmeckt die Ananas viel besser als zu Hause – Daniela, die Avocado Expertin meint, dass bei den Avocados kein Unterschied festzustellen ist. Kochbananen sind jedenfalls unser Fall!
Zusammengefasst: Uns geht es sehr gut, wir sind gut versorgt. Es ist halt ganz anders als in Europa – und auch als in Südamerika, meint Daniela.
Heute ist Mittwoch und wir haben uns schon an vieles gewöhnt.
A Bientôt,
Daniela & Sven
P.S.: Kamerun hat gerade ausgeglichen 1:1. Ich habe Durchfall – aber es geht schon ;-)
Schön, von euch zu lesen.
AntwortenLöschenHier läuft der ganz normale europäische Wahnsinn weiter.
Viel Erfolg beim französisch lernen, dort leben und arbeiten und widerstandsfähige Mägen für weiter Fahrten ins Umland wünscht euch
Grit
Hallo Sven,
AntwortenLöschenhallo Daniela,
vielen Dank für den ersten Bericht aus Kamerun.
Ich werde Oma Irmgard eine Kopie gegeben.
Sie ist schon sehr neugierig.
Liebe Grüße und alles Gute, von A.+R.
Hallo Sven und Daniela,
AntwortenLöschenich bin begeistert von euch zu lesen. Viiiel Spass und Erfolg beim "Afrikanisieren", wo wir hier in Hamburg doch schon alles versucht haben! Die leckeren Bananen werden euch schon dabei helfen.
Ich bleib an euch dran:
A tout a l´heure (oderso...;)
Julia